Das Weisshorn ist der schönste und zweithöchste Berg, welcher ganz in der Schweiz liegt. Die weisse Pyramide ist unser Ziel. Der über 4500 Meter hohe Traumgipfel, wurde zum ersten Mal am 19. August 1861 von John Tyndall und Johann Joseph Brenner über den Ostgrat, die heutige Normalroute, bezwungen. Also genau 150 Jahre vor uns. Wir haben jedoch nicht den Normalweg, sondern den etwas anspruchsvolleren Nordgrat gewählt.  Der am 21. September 1898 von H. Biehly und H. Burgener zum ersten Mal bezwungen wurde. Der mit ZS+ (ziemlich schwierig +) beschriebene Nordgrat wurde in diesem Jahr erst von ungefähr einem Dutzend Personen bestiegen, dazu hatten wir noch Schnee auf dem Grat der das ganze Vorhaben noch schwieriger machte.

Trotzdem haben wir uns, Matthias Büeler (Mättel), Florian Zimmermann (Flöcke), Chrigel Wiesner (Piz Chrigel) und ich Lukas Häseli (Häsi) auf den Weg gemacht.

Am ersten Tag 15.08.11 fuhren wir mit dem Zug nach Sierre und von dort mit dem Postauto nach Zinal (eine wunderschöne Strecke für Postauto Fans). Als wir dort ankamen hat es geregnet und unser Vorhaben, den Hüttenzustieg zur Tracuit Hütte, musste mit einem Kaffee nach hinten geschoben werden. Nach kurzer Wartezeit haben wir uns dann auf den etwa 3 1/2 Std. Hüttenzustieg gemacht. Als wir diesen hinter uns gebracht hatten und uns auf die erste Begegnung freuten, machte uns das Wetter zum zweiten Mal einen Strich durch die Rechnung. Leider sah man nicht einmal das etwas tiefer gelegene Bishorn 4153 m.ü.M. Trotz den kleinen Unpässlichkeiten beim Aufstieg haben wir uns in der Hütte eingerichtet und den nächsten Tag abgewartet. Nach einem guten Nachtessen in der französisch sprechenden Tracuit-Hütte (SAC) und einem kleinen Plauder mit meinem Führer,  „Piz Chrigel“ und dem Hüttenwart – der uns auf den Schneefall und die Menge der Besteiger der Route dieses Jahr hingewiesen hat und uns den Auftrag gab ihn anzurufen, wenn wir es geschafft haben - gingen wir früh ins Bett.

Den 16.08.11 haben wir als Akklimatisierung-Tag und Erhol-Tag gebraucht. Als wir aufstanden, war der erste Gedanke von mir, wie sieht dieser Riese nur aus. Wo werden wir morgen durchklettern? Also stand ich auf und ging als erstes hinaus, um den wunderschönen Berg, das Weisshorn, zu bestaunen. Mättel erklärte mir wo wir morgen aufsteigen. Bei diesem Vorhaben bemerkte ich, dass wir das Bishorn beim Vorbeigehen auch noch besteigen werden. Viele Leute waren unterwegs auf das Bishorn, aber keiner wagte sich an den Nordgrat vom Weisshorn. Ehrlich gesagt, war es mir schon nicht so wohl, als ich den markanten Röstigrat sah, der die Welschschweiz von der Deutschschweiz trennt. Jedoch hat mich Chrigel davon überzeugt, dass dieser Berg kein Problem sei. Wir haben den ganzen Tag relaxt und uns prima akklimatisiert. Ausgeruht gingen wir zum Nachtessen bei dem wir mit Glück feststellten, dass wir nicht die einzigen mit diesem Vorhaben waren. Noch 2 weitere Seilschaften wagten sich an die Überschreitung. Eine Seilschaft davon war ein Bergführeraspirant und dessen Bruder die Topfit aussahen. Nach dem Nachtessen gingen wir ins Bett. Leider gab es viele Leute die einfach nicht ruhig sein können und uns immer wieder unvorsichtig aus dem Schlaf gezerrt haben. Schliesslich schliefen wir ein und der Gipfeltag, gleichzeitig mein Geburtstag, rückte immer näher.

Pib Pib Pib Pib Pib hörten sich die ersten Geräusche an, die wir am 17.08.2011 hörten. Zeit aufzustehen. Spinne ich, dachte ich im ersten Moment als ich auf die Uhr starrte. 1 Uhr in der Nacht! Trotzdem stand ich auf und ging nach unten, dort erwarteten mich Chrigel, Mättel und Flo mit einem müden Lächeln. „Gratuliere“, waren die ersten Worte der müden Kameraden. Im ersten Moment überlegte ich warum, bis mir einfiel, dass ich ja Geburtstag hatte; es war halt schon noch sehr früh. Nach einem reichlichen Frühstück machten wir uns um 1.30 Uhr auf den Weg. Zuerst über Gletscher mit riesen Spalten, dann über den riesen Schneeberg „Bishorn“ auf den Nordgrat des weissen Riesen. Nun fing für Flöcke der Tag erst richtig an, denn erst zurück vom Militär war er der fitteste von uns allen. Er fing an zu Spuren, zuerst über einen wunderschönen Schneegrat, dann über das markante Felsgelände. Als wir die ersten Kletterpassagen hinter uns hatten, kam auch schon die Sonne die uns aufwärmte. Wir kletterten an Abhängen vorbei, balancierten über Grate, auf denen es beidseitig hunderte von Metern in die Tiefe ging und genossen die wunderschöne Aussicht über die Schweizer Berge. Langsam wurde es anstrengender, wir bewegten uns langsam auf die 4300er Marke zu, der Sauerstoffgehalt wurde immer knapper. Zum Glück kamen da ein paar Gestalten daher geklettert, es waren die am Vorabend kennengelernten Bergsteiger. Die wie gesagt Topfit waren. Sie kletterten an Chrigel und mir vorbei und trafen dann auf dem Schneegrat auf Mättel und Flöcke, welche wieder mit spuren beschäftigt waren. Der Französisch sprechende Bergführeraspirant löste den langsam müde werdenden Flöcke ab. So ergänzten diese zwei Seilschaften sich sehr gut. Als wir dann komischerweise doch immer wieder Flöcke führen sahen, dachten wir, warum nur macht dieser nicht den Bergführer. Wir gingen immer weiter und weiter, 4350 m.ü.M „huch; mag langsam nümä!“. Chrigel der topfite Bergsteiger zerrte mich jedoch weiter. Nun kam die Schlüsselstelle, eine senkrechte Wand unter dem Grande Gendarme. Chrigel, voller Tatendrang nach einer kleinen jedoch für ihn zu langen Pause (5 min), startet die nächste Kletterpassage, eine 2 Seillängen-Kletterroute im 5 Grad und mit Steigeisen. Chrigel meistert die Passage „seriös“, ich war dran ich kletterte mit Vollgas zu ihm hoch, dies war aber keine gute Idee stellte ich fest, ich war nämlich kaputt (Schwizerdütsch gseit am Ars…). Chrigel motivierte mich und gab mir einige Tipps. Er ging weiter und kam zum nächsten Stand. „Häsi, isch guet, chasch cho“ das war mein Stichwort, keuchend schleppte ich mich in Sichtweite von ihm. „Chumm Häsi, tue schön i- und us-schnuffe“ hörte ich Chrigel rufen. Als ich oben ankam sah, ich, dass wir noch lange nicht oben waren, kämpfte mich jedoch über den Grat weiter bis zum Grand Gendarme. „Münd mir da ufä?“ fragte ich Chrigel. Beruhigend sagte er mir, dass es einen Weg rund herum gäbe welchen wir wählten. Nach dieser Passage kam der rettende Schneegrat. Wieder vollmotiviert stiegen wir weiter nach oben wo uns zum ersten mal klar wurde warum dieser Berg der Traum jedes Alpinisten ist. Mann sah über die ganze Schweiz.  Von dem Berner 3er-Pack Eiger, Mönch und Jungfrau über den Montblanc bis hin zum  Matterhorn, ein wunderprächtiges Panorama. Auf  4400 M.ü.M. sah ich auf meiner Uhr, juhui, nur noch 104 Höhenmeter. Leider freute ich mich zu früh, wir kletterten wieder runter auf 4360 m.ü.M. Oh nein, dass auch noch, nochmals eine Kletterpassage und das auf dieser Höhe, dass darf doch nicht wahr sein! Jedoch konnte mich Chrigel aufmuntern und wir meisterten auch diese Tortur. Wir  kämpften uns weiter nach oben, 4440 m.ü.M. Ich sagte mir immer: „ich schaff das!“. Ja, und endlich ich habe es geschafft, nach etwa 10 Stunden Aufstieg habe ich den Piz Wundervoll bestiegen. Es ist  wunderschön und hammergeil und das an meinem 16. Geburtstag. Ich fühlte mich kurz wie im 7 Himmel. „Chumm Häsi, öppis ässe und trink den gaht‘s subito wieter“ hetzte mich Chrigel. Ich brachte jedoch keinen Bissen runter und sagte zu Chrigel. „Chrigel ich mag eifach nümä“. Keine Antwort, nur ein Zug am Seil. So zog er mich auf und schleppte mich die Schneepassage des öfter begangenen Ostgrates hinunter. Die ersten paar Schritte waren mühsam, jedoch ging es immer besser bis wir auf ein Podest kamen auf dem wir einige Fotos machten.

„Los wieter, chum hü“ hiess es schon bald und wir machten uns wieder auf den Weg. Über Schnee bis zum Ostgrat der wieder steinig war. „Nöd scho wieder,“ dachte ich, denn mit Steigeisen klettern war für mich Neuland. Nach kurzer Zeit auf dem Grat, hatte ich jedoch immer mehr Vertrauen in die Eisen an meinen Füssen. Wir kletterten also etwa 3h nach unten. Da kam die Rettung „Häsi, isch guet, chasch d‘Stiegise abzieh.“ Wir stiegen also nun ohne Steigeisen den Ostgrat weiter ab, Schritt für Schritt. Wir hatten nicht mehr viel Zeit und mussten uns beeilen, denn um 19 Uhr gab es Abendessen. Jedoch hatte ich keine Kraft mehr um schneller zu laufen. So entschied sich Chrigel voraus zu gehen. Er zog mich nun den Berg hinunter. Es gab keine Pausen mehr. Nun sind wir  ungefähr 15 Stunden am Laufen mit etwa einer halben Stunde Pause insgesamt. „Bitte Chrigel, ich mag eifach nümä“ dieser Satz musste nun Chrigel alle paar Minuten von mir hören. Er liess sich jedoch nicht beirren und zog mich eine weitere Stunde nach unten. Endlich kam der letzte Felsteil, dieser führte durch einen Wasserfall. Diese Passage motivierte mich und die letzten 40 Minuten liefen wie am Schnürchen. Nur noch über das letzte Eisfeld. Also Steigeisen anziehen und nichts wie los. Geschafft, Steigeisen ausziehen und noch 20 Minuten Fussmarsch. 10 Minuten später „shit, wo isch die cheibe Hütte anne?“ man sah sie nicht mehr, was uns beunruhigte, doch 8 Minuten später, „juppi, da ist sie ja wieder!“ Noch einige Meter und wir hatten es geschafft. Mättel, Flöcke, Chrigel und ich haben die Hütte glücklich, stolz und zufrieden erreicht!

Wir richteten uns ein und assen etwas, die anderen wenigstens, ich war so kaputt  dass ich keine Bissen runter kriegte. Endlich hörten wir wieder Deutsch, auch wenn es Walliser-Dialekt war. Ich war glücklich den Rösti-Grat an meinem 16. Geburtstag bezwungen zu haben. Flöcke telefonierte kurz mit dem Hüttenwart der Tracuit-Hütte, wir plauderten mit der Hütten-Crew und den anwesenden Bergführern und gingen schlussendlich nach der 17 Stunden Tour erschöpft ins Bett.

Ausschlafen, da muss man bei Mättel immer 2mal nachfragen! Um 8 Uhr standen wir auf. Ich ass seit langem wieder etwas und nachher  machten wir uns auf den 2 stündigen Heimweg. Kurz vor Randa gönnten sich Chrigel und Flöcke noch einen kleinen Spass bei einem Schweinehof. So endete die wunderschöne Tour und wir fuhren mit dem Zug zurück. Im Zug sahen wir dann zum letzten Mal das Weisshorn. Ich dachte nur „das isch de schönschti Geburi im mim ganze Läbe gsi“.

Herzlichen Dank für das Organisieren Mättel. Merci für das Spuren Flöcke und herzlichen Dank für die geile Tour (ufezieh, abezerre) und die Hammer-Aussicht Chrigel. Ihr sind diä beschtä!

Freue mich schon auf die nächste Tour. Lukas Häseli (Häsi)

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